Rekonstruktion der Alten Schule zu Klingenthal Anno 1998
Aufregender Bau
Der 3.Juli ist der spannendste Tag im Baugeschehen. Die alte Blockhütte soll um 1,5 m versetzt werden, um als Gastraum mit integriert zu werden.
Die teilweise morschen Bohlen der Blockhütte sind bereits durch neue Bohlen ersetzt worden.
Damit das Gebäude den Transport durch die Luft übersteht, wird es zunächst mit Brettern verschlagen, um es zu stabilisieren. Der große Autokran steht schon bereit. Unter die Hütte werden Stahlträger geschoben und genau ausgerichtet, um das Haus in der Luft waagerecht zu halten. Nach mehrmaligen Versuchen hängt die Blockhütte an einer 4m langen Traverse.
Nun ist Eile geboten, bevor Wind das Unternehmen zum Abbruch zwingen würde. Unter dem zukünftigen Standort wird das Erdreich ca. 1m tief ausgehoben und die Fundamente hochgemauert.
Nach einer Stunde Schwitzen ist alles vollendet: Die Blockhütte steht auf ihren neuen Fundamenten und der Bau kann weitergehen. Unter der Blockhütte werden Natursteinmauern hochgezogen.
Die Dachdecker sind bei der Arbeit. Die 120 Jahre alten Holzschindeln bleiben als innerer originalgetreuer Abschluß. Außen wird eine Wärmedämmung aufgebracht. Zur Straßenseite wird das Dach wieder mit Holzschindeln eingedeckt werden, der rückwärtige Teil erhält ein Dach aus Zinkblech.
Im Jahr 1830 wurde eine neue Bauordnung verabschiedet, die aus Gründen des Brandschutzes die Verwendung der alten Holzschindeln bei nicht freistehenden Gebäuden untersagte. Erstmalig wurde das Eindecken mit Blechdächern von der Deutschen Reichsbahn Anfang des 19. Jahrhunderts vorgenommen. Die holzgedeckten Bauten entlang der Bahntrassen waren durch den Funkenflug der Dampfloks besonders gefährdet. Diese Brandschutzordnung gilt in diesem Sinne heute noch, weswegen man in dieser Gegend häufig mit Blech eingedeckte Dächer vorfindet.
Für die freistehende Seite der Alten Schule war es möglich, die alte Deckung mit Holzschindeln wieder anzubringen; die dem Nachbargebäude zugewandte Seite muß ein Blechdach erhalten.
Innen werden die alten Bretter und Balken quadratzentimeterweise mit dem Sandstrahler behandelt. Es ist eine mühsame Arbeit, die immer wieder durch Probleme mit dem Sandstrahlgerät unterbrochen werden muß. Der enge Zeitplan kann trotzdem eingehalten werden. Unter die Fenster kommen Vormauerungen, auf die später die Bänke aufgesetzt werden.
Auch im Anbau geht es mit großen Schritten voran: Die Decke ist fertig, ebenso Schächte und Fettabscheider. Im Keller arbeiten die Trockenbauer am Sanitärtrakt. Zwischen Blockhütte und dem Alten Schulgebäude darf der Bergahorn weiterwachsen.
Mitte Juli werden die ersten Fenster eingesetzt; originalgetreue Holz-Sprossenfenster, passend zum Stil dieses alten Gebäudes. Ende Juli hat das Hauptgebäude komplett neue Fenster und defekte Bretter sind ersetzt worden.
Gasthaus
”Zur Alten Schule”
Schulgasse 4
08248 Klingenthal
Telefon und Fax: 037467-26872
Geöffnet: Täglich ab 11:00 Uhr
